Dies ist die Seite von Targa und Flexi

Die Beiden berichten aus Irland:

Im Januar 2004 bemerkten wir bei Targa, knapp zwei Jahre alt und kastriert, eine dicke Beule am rechten Unterkiefer, die ihm beim Anfassen wohl auch Schmerzen bereitete.

Unser Tierarzt hier in Cork hat einen Abszess diagnostiziert und Targa erst mal geröntgt. Dabei war schon zu erkennen, dass der Abszess den Unterkieferknochen angegriffen hatte und ziemlich gross war. Der TA hat den Abszess unter Narkose geöffnet und geleert. Wir bekamen die Anweisung, den Abszess so lange wie möglich offen zu halten und täglich mehrmals zu spülen. Als Antibiotikum bekam Targa damals Baytril. Wir haben diese Prozedur also zwei Wochen durchgeführt, wobei es am Ende immer schlimmer wurde, weil die Wunde sich innerhalb weniger Stunden geschlossen hat, wir den Eiter nicht mehr richtig rausbekommen haben und Targa sich zum Meister des Entfleuchens entwickelt hatte. Zum Spülen haben wir immer sterile Kochsalzlösung genommen, ab und zu auch verdünnte Jodlösung und anschliessend haben wir Bepanthensalbe in die Wunde geschmiert.

Wie gesagt wurde die Prozedur immer mühseliger und das Baytril schien auch nicht anzuschlagen. Unser Pech war aber noch nicht komplett, weil wir zu dieser Zeit auch bei Flexi, drei Jahre und kastriert, eine kleine Beule am Unterkiefer entdeckten. Ziemlich verzweifelt gingen wir also wieder zum Tierarzt, der uns, wie schon beim ersten Mal, keine guten Chancen voraussagte, aber noch einen Vorschlag für uns hatte. Er selber traue sich zwar radikalere Operationsmethoden nicht zu, aber in Dublin gäbe es eine Kaninchenexpertin, die so was macht. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns schon auf unzähligen Internetseiten schlau gemacht und diverse Behandlungsmethoden im Kopf. Aufgrund des Abszesses bei Flexi erschien es uns am besten, gleich beide zu schnappen und nach Dublin zu fahren. Gesagt, getan, wir bekamen auch sofort einen Termin nach Bray bei Dublin gefahren. Es wurden beide Patienten untersucht, geröntgt und schliesslich auch operiert. Dabei hat sie die Abszesse komplett ausgeschabt, zum Teil auch etwas vom Knochen weggenommen und dann in die Wunde ein antibiotisches Gel (Doxirobe) eingenäht, was den Wirkstoff über ein paar Wochen abgibt. Somit blieb uns zumindest das Spülen erspart. Sie hat dann auch noch Bakterienkulturen angelegt, um die Erreger zu bestimmen. Bis zum Ergebnis bekamen beide Baytril (0,5 ml pro Tag bei ca. 1,8 kg Gewicht).

Das Ergebnis hatten wir nach ein paar Tagen. Flexi hatte nur aerobe Erreger, somit war für ihn Baytril geeignet. Targa hingegen hatte anaerobe Erreger und bekam dementsprechend ein anderes AB (Flagyl, 1,5 ml pro Tag). Beide bekamen einige Tage nach der OP noch Metacam als Schmerzmittel und gegen die Entzündung (0,1 ml pro Tag). Wir mussten beide nur an den ersten beiden Tagen nach der OP Critical Care (Spezialfutter-Pulver zum Anrühren) zufüttern, weil sie eigentlich sofort wieder angefangen haben zu fressen.

Die behandelnde Tierärztin ist sehr verständnisvoll und kompetent. Mit Ihr kann man auch andere Behandlungsmethoden durchsprechen und sie wusste genau, was sie da macht.

Bei Targa ist die Schwellung komplett verschwunden und bis heute (07.05.04) auch nicht wieder aufgetaucht. Bei Flexi blieb bis Mitte April eine Verhärtung an der Unterkieferseite, allerdings meinte die Ärztin, dass bei ihm der Abszess noch „frischer“ war und sich dort eine Verknöcherung gebildet haben könnte. Das war aber nicht der Fall: eines morgens fiel uns auf, dass Flexi irgendwas komisches am Kinn hatte. Wir haben ihn geschnappt und festgestellt, das er sich diese Stelle aufgekratzt hatte und nun ein fingerkuppengrosses Stück Eiter aus der „Wunde“ kam. Es hatte sich wohl etwas entzündet (evtl. Fäden) und der Eiter hatte sich als kleiner Abszess abgekapselt und war nun rausgekommen. Kein grosses Problem, jetzt war er ja raus. Er bekam noch zur Sicherheit ein paar Tage Baytril und jetzt ist auch bei ihm nichts mehr zu fühlen.

Soweit ist unsere Geschichte also gut ausgegangen, die Behandlungsmethode mit dem Doxirobe-Gel und der Bakterienbestimmung kann ich nur weiterempfehlen. Die Tierärztin meinte auch, dass bei ihr viele Fälle gut ausgehen und das Kaninchen wesentlich härter im Nehmen sind, als man denkt.

Leider ist unsere Geschichte nicht mit diesem Happy End zu Ende. Ungefähr zu der Zeit als Flexi sich aufgekratzt hatte, fing Targa an zu sabbern. Wir sind also zu unserem TA und es wurden ihm die Backenzähne gekürzt, weil sich Zahnspitzen gebildet hatten. Zu unserer Verteidigung muss ich sagen, dass Heu wirklich der Hauptbestandteil der Nahrung unserer Kaninchen ist und Targa auch ein absoluter Heufanatiker ist, daran sollte es also eigentlich nicht liegen. Na ja, nach dem Kürzen fing auf jeden Fall das linke Auge Targas an zu tränen, es kam etwas heraus und das dritte Lid war immer zu sehen. Nach ein paar Tagen frass er auch wieder schlechter. Über die Osterfeiertage bekamen wir von einer Notfall-TÄ eine Augensalbe, die aber nicht viel half. Unser TA wollte sich das dann genau angucken und Targa wurde wieder in Narkose gelegt. Dabei wurde ein, man errät es schon, Abszess hinter dem Auge entdeckt. Unser TA gab ihm fast keine Chance mehr.

Egal, wir also wieder zur Tierärztin nach Bray, die ihn auch operiert hat. Zum Glück ging der Abszess nicht von den Zähnen aus. Sie hat ihn geleert, konnte aber diesmal kein Gel einnähen, weil das auf das Auge gedrückt hätte und die Wahrscheinlichkeit erhöht hätte, dass er das Auge verliert. Er bekommt Baytril und Flagyl, sowie Metacam gegen die Entzündung (für ca. vier Wochen). Die Bakterienkultur ergab diesmal nichts, was positiv sein kann oder daran liegt, das die TÄ diesmal nicht so tief „schaben“ konnte. Wieder zu Hause frass Targa schon in der ersten Nacht ordentlich (geraspelte Möhrchen, Apfel, Thymian, Petersilie), leider verschlechterte sich sein Zustand danach für vier Tage deutlich. Bei der OP schien der Beatmungsschlauch eine Verletzung in der Nase hervorgerufen zu haben. Targa konnte nur mit heftigem Röcheln und Rasseln atmen, alles fiel ihm schwerer und er wirkte recht lust- und appetitlos. Wir fütterten ihm Critical Care zu und als wir schon dachten das wird nicht mehr besser (nach vier oder fünf Tagen), fing er plötzlich an wieder mit Appetit Löwenzahn und Gras zu fressen, das Rasseln wurde von Tag zu Tag besser und er machte auch wieder lustige hakenschlagende Sprünge im Wohnzimmer!

Heute, ca. 10 Tage später geht es ihm gut, er ist neugierig, fröhlich und extrem hungrig... Sein Auge steht immer noch etwas hervor und das dritte Lid ist noch zu sehen. Wir hoffen das Beste, allerdings hatte die Tierärztin von Anfang an gesagt, dass unter Umständen das Auge nicht zurück geht, er erblindet oder sogar das Auge verliert (der Abszess hat auf den Nerv gedrückt und so vielleicht das Auge geschädigt). Die Hoffnung haben wir noch nicht aufgegeben, weil wir den Eindruck haben es wird besser. In ein paar Tagen hören wir mit den Antibiotika auf, dann heisst es abwarten und Daumen drücken.

Unser Fazit: Kaninchen sind robuster als man denkt, Abszesse sind nicht gleichbedeutend mit einem Todesurteil und es gibt gute Behandlungsmethoden und kompetente Tierärzte. In unserem Fall ist Targa zwar mittlerweile sein Gewicht in Diamanten wert, aber es hat sich gelohnt. Leider weiss man nie, was als nächstes kommt, wenn ein Kaninchen anfällig auf Abszesse ist. Trotzdem hoffen wir, dass man sieht, dass Abszesse auch erfolgreich behandelt werden können.