Dies ist die Seite von Fritzti
Eine Geschichte über zwei Generationen:
Fritzi wurde in einem Zoo-Fachgeschäft gesehen, gekauft und war mein erstes Kaninchen. Neben dem süßen Widderzwerg (weiß-braun-schwarz gefleckt) kaufte ich diverses Zubehör und die üblichen Bücher.
Sie wuchs auf mit der - leider auch - üblichen Körner-Pellets-Trockengemüsemischung, dazu Äpfel, Birne, Chicoree; mit der Zeit besorgte ich mir weitere Bücher, das Ergiebigste kam aus der Stadtteilbücherei, geschrieben von einem Kaninchenzüchter, noch aus der damaligen DDR und weiteres Grünzeug kam dazu.
Fritzi war sehr clever, aufgeweckt, neugierig. Sie kletterte gerne - und ging irgendwo eine Tür auf, machte sie sich sofort daran, das Terrain dahinter zu erkunden. Leider knabberte sie in ihren ersten Monaten sehr gerne ziemlich ungesunde Dinge wie Putz, Karton und Zeitungen - das ließ später nach, wohl auch durch die Futterumstellung. Ich kaufte nunmehr die Futterteile einzeln, allerdings immer noch mit Getreide-Körnern, wenn auch aus dem Reformhaus.
Fritzi mußte nachts zunächst in ihr Ställchen, tagsüber aber waren ca. 90 qm Atelier ihr Reich. Es gab Gänge, Höhlen und Berge, aber keinen Spielkameraden.
Schon sehr früh, mit etwa einem halben Jahr, bekam Fritzi ihren ersten Abszeß, etwa Mandel-groß unterhalb des rechten Auges.Erschrocken und unerfahren, wandte ich mich an die Tierklinik, die auch die ersten Untersuchungen und Impfungen gemacht hatte.
Dort wurde ihr Abszeß geöffnet, das umliegende Gewebe entfernt und eine anti-bakterielle Einlage gemacht. Mir wurde gesagt, daß man im Allgemeinen mit Antibiotikum nicht viel erreiche und dies die Methode mit den größten Heilungsaussichten sei. Als ich sie wiedersah, war ich sehr erschrocken: ihr schönes Gesichtchen schief und in der Backe ein großes Loch. Aber wenn sie "geheilt" sein sollte, mußte es wohl sein. Aber leider war dem ganz und gar nicht so. Schon nach kurzer Zeit begann sich erneut eine Beule zu bilden, aber ich war nicht mehr bereit, Fritzi dieser Tortur auszusetzen (sie war allerdings weiterhin munter und schien keinen "seelischen" Schaden genommen zu haben) - also ging ich in die andere Richtung und wandte mich an einen Tierarzt, der Tiere vorwiegend homöopathisch behandelte.
Die Anamnese wurde von einer sehr freundlichen Kollegin von ihm gemacht, ich bekam Tropfen für Fritzi mit, später diverse Globuli, allein die Abzesse wuchsen, vermehrten sich, einige wurden geöffnet und mußten mehrmals täglich gespült werden (mit Calendula-Verdünnung). Fritzi ließ das alles unglaublich brav mit sich geschehen und wurde mit Sicherheit in ihrer Gesamtkonstitution durch die homöopathischen Mittel gestärkt. Sie war munter und anhänglich und ganz lebensfroh. Ich war nicht ganz so munter und machte mir große Sorgen.
Ich hatte schon länger den Plan, für Fritzi eine Freundin zu besorgen, traute mich aber wegen der offenen Abszesse nicht. Aber ich sprach schon mal im Tierheim vor und mit einer der Pflegerinnen über die Abszesse - sie sagte, sie hätten einen Tierarzt, der sich auch wirklich mit Kaninchen Mühe gäbe und erfolgreich Abszesse behandelt habe.
Die Abszesse an Fritzi wanderten, und kaum war eine Beule "kuriert" gabs Nebenhöhlen... zwar im Sinne der Homöopathie abwärts wandernd, aber leider auch vermehrend.
Es vergingen so Wochen, und immer mal wieder erkundigte ich mich im Bekanntenkreis nach guten Tierärzten, mußte aber die leidvolle Erfahrung machen, daß nicht einer davon Vertrauen erweckend klang - eine Ärztin meinte sogar: "Das (die Abzessse) kann man nicht heilen, die kommen immer wieder und irgendwann sterben die (Kaninchen) daran, das lohnt die Behandlung nicht, kaufen sie sich lieber ein neues."
Irgendwann hielt ich es einfach nicht mehr aus und bat den behandelnden Arzt um eine Antibiotika-Behandlung. Eine Keim-Untersuchung hatte keine spezifischen Keime ergeben (und der Eiter war wohl steril). Er hatte wenig Erfahrung damit, erkundigte sich aber und ihm wurde Cleorobe empfohlen und auch die Dosierung war (im Nachhinein viel klüger...;-) ) wohl auch richtig; Cleorobe kann nur oral verabreicht werden.
Allein, Fritzi hörte auf zu fressen und saß mit gurgelndem Bauch in der hintersten Ecke. Ich bekam Panik, erinnerte mich aber an die Aussage der Pflegerin des Tierheims, erfragte die Adresse - und wechselte, um mein Kaninchen fürchtend, den Arzt. Cleorobe wurde abgesetzt, Fritzi bekam eine Vitamin- und Aufbau-Spritze und ich eine Lektion darin, wie man Kaninchen Antibiotika unter die Haut injiziert, da der Tierarzt zu weit weg wohnte, als daß ich Fritzi die tägliche horror-hafte Autofahrt dahin zumuten wollte.
Fritzi bekam Baytril subkutan über etwa 3 Wochen hinweg. Fressen wollte sie nur langsam wieder, zunächst auch ausschließlich getrockneten Löwenzahn - ich kaufte mehrere Packungen Heu, um möglichst viel davon für sie zu haben. Später habe ich dann für solche Fälle Löwenzahn selbst geerntet und getrocknet. Die Abszesse mußten weiter gespült werden, allerding nur mit Wasser, aber anschließend kam eine dicke Portion Novugen in die Öffnung. Sie wurden kleiner, Fritzi fraß wieder und bald war nur noch eine Erbsengroße Kammer hinter dem Auge, die gespült werden mußte. Diese aber weigerte sich hartnäckig, abzuheilen. Die 3 Wochen Baytril-Behandlung waren um, und es mußte eine Pause eingelegt werden.
Ich entschloß mich, nun doch schon ein zweites Kaninchen aus dem Tierheim zu Fritzi als "Freundin" zu holen - Möhre. Möhre war winzig, sollte etwa 5 Monate alt sein, hatte große Ohren, war ganz schwarz und in der Mädelsgruppe das sozialste Tier, schmuste mit allen und war sehr munter. Nur war es eben doch kein Mädel und wohl auch keine 5 Monate alt - Möhre ist jetzt ein stattlicher, kastrierter Rammler von etwa Dackelgröße, wiegt 5 Kilo und Fritzi war sofort heißverliebt in ihn. Ein Herz und ein Seelchen, sozusagen.
Das mittlerweile winzige Abszesschen wollte aber nicht weichen.
Wir fuhren für einige Tage weg und die neuen Spritzen für die 2. Behandlungsperiode lagen schon im Kühlschrank, ich wollte nur nicht vor unserer Abwesenheit mit den Spritzen anfangen, denn sie müssen täglich und zur gleichen Zeit gegeben werden.
Als wir zurückkamen, war der Abszeß weg!
4 lange Jahre war Fritzi gesund und munter, gebar, völlig überrraschend, denn eigentlich war das Böckchen gleicht nach Erkennen kastriert worden und auch die Karenzzeit überstanden gewesen, ein winziges Kaninchen, zog es wunderbar auf und wir hatten eine sehr glückliche Kaninchenfamilie. Einzige "Spätfolge": ihr Darm erholte sich nie mehr so recht von der oral verabreichten Cleorobe-Gabe, die Köttel waren und blieben klein und sie produzierte recht viel Blinddarm-Kot.
Leider ist im Alter von etwa 5 Jahren bei Fritzi wieder "etwas" gewachsen - was genau es war, konnte nicht ermittelt werden, da es hinter dem Auge wuchs. Sie bekam erneut Antibiotika, der Wuchs stoppte. Das Auge stand zwar etwas weiter aus der Augenhöhle hervor, war aber in seiner Funktion nicht beeinträchtigt. Um die Hornhaut zu schützen, bekam Fritzi 2x am Tag ein netzendes Gel (Thilo-Tears) ins Auge. Sie war munter wie immer, wollte, wie immer eigentlich, Möhre zu weiterem Nachwuchs veranlassen, es gab nichts Auffälliges.
Und doch fanden wir sie plötzlich eines Morgens (etwa ein halbes Jahr nach dem erneuten "Vorfall") tot im Atelier liegen.
Sie hatte 2-3 Tage vorher etwas Durchfall und ich hatte mir schon vorgenommen, darauf zu reagieren, aber ansonsten war sie frech und munter wie immer. Vielleicht etwas ruhiger ab und zu, aber das kam schon vor nach ihrer "ich möchte noch ein Baby"-Phase und war nicht ungewöhnlich.
Ich hätte gerne gewußt, woran sie gestorben ist, aber daran, daß gerade dieses, für Kaninchenverhältnisse kluge, couragierte und liebe Tierlein mit 5 1/2 Jahren zu früh gestorben ist, ändert dies nicht das Geringste.
Sie hat länger gelebt, als viele Prognosen meinten, aber für mich natürlich viel zu kurz.
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Nachtrag:
Leider hat ihr Sohn, Mini, nun gerade im Alter von 4 1/2 Jahren auch einen ersten Abszeß entwickelt. Möhre, der Papa, ist weiterhin pumperlgesund. Mini hat nun schon einige Monate einen weißlich-eitrigen Ausfluß aus dem linken Auge - auch er verträgt wie Fritzi Cleorobe nicht und mußte die Antibiotika als Spritzen bekommen, doch der Ausfluß blieb. Die Gabe von bird-bene-bac führte zu keiner Verbesserung seines Glucker-Bauches, allerdings sind seine Köttel jetzt wieder groß wie immer.
Ich denke, er hat genetisch die Anlage von Fritzi zur Abszeß-Bildung mitbekommen, aber auch ein bißchen von Papas Robustheit und deshalb sind die Abszesse erst später zu Tage getreten - besser wären natürlich, er wäre nie krank geworden.
Carlson bei: