Dies ist die Seite von Cäsar
Zähne wie Kraut und Rüben. Cäsar, ein typischer Fall für diese Website:
Hallo ich bin Cäsar, ein schon bald fünfjähriges Löwenköpfchen. Mama hat mich im Frühjahr 2002 aus dem Tierheim geholt – damit Bibi nicht mehr alleine ist. Vor der "bösen" Krankheit haben wir uns einen doppelstöckigen Käfig geteilt und hatten abends und am Wochenende Auslauf im Zimmer. Nun dürfen wir nach Herzenslust Tag und Nacht im Arbeitszimmer (ca. 11 qm) hoppeln. Jetzt gehen wir nur noch zum Heu knabbern und Pipi machen in den Käfig. Diesen füllt Mama immer mit 3 verschiedenen Schichten. Ganz unten Katzenstreu, darüber Kleintierstreu und oben drauf viel Stroh.
Wir haben einen Karton zum Versteck-Spielen und Zerrupfen und eine Buddelkiste mit Spielsand. Und da sind noch Gegenstände zum Draufhüpfen und Unten-Durch-Kriechen. Ich fresse gerne Heu, welches immer zur Verfügung steht. Morgens bekommen wir Special-Kugeln von Vitakraft und etwas Pellets. Abends mal eine Karotte, Apfel oder Sellerie und im Sommer Grünfutter von der Wiese. Ab und an mal Zweige vom Haselnussstrauch oder auch ein kleines Stück hartes Brot.
Anfangs war ich immer ziemlich schmächtig, aber letzten Winter hatte auch ich mal einwenig an Gewicht zugelegt. Zum Glück! Denn am 22. März konnte ich plötzlich überhaupt nichts mehr fressen. Mama ist am nächsten Tag mit mir zum Tierarzt. Der wollte einen überlangen Backenzahn kürzen, welcher dann aber abgebrochen ist. Aus dem Zahnfleisch kam Eiter, weshalb ich erst mal Chloramphenicol (Antibiotika) bekommen sollte. Leider konnte ich trotzdem nichts mehr kauen. Das Critical Care verabscheute ich total, habe nur etwas zermatschte Banane mit Haferflocken geschleckt. Dann kam das lange Osterwochenende und Mama war richtig am Verzweifeln weil es mir so schlecht ging. Sie hat in einer Tierklinik angerufen, aber es hieß, ein Abszess könne noch bis Dienstag warten. Mama hat mir noch zusätzlich Silicea (Schüssler-Salz) verabreicht. Am Dienstag erhielten wir dann eine niederschmetternde Diagnose in der Klinik: Zähne durcheinander wie "Kraut und Rüben". Zwei obere Backenzähne müssten gezogen werden. Es schaue aber trotzdem nicht gut aus. Mama besteht auf eine OP und fragt nach der Bicillin-Therapie, auf die sie im Internet gestoßen ist. Doch das Penicillin G Benzathine/Penicillin G Procaine wird total abgelehnt – zu gefährlich bzw. tödlich fürs Kaninchen. Dann der nächste Schock während der OP, an den Abszess kommt man von außen nicht ran – er sitzt hinter dem Auge (retrobulbär). Mama möchte mich trotzdem nicht aufgeben und bittet darum mich wieder aufwachen zu lassen. Also werden nur die Zähne gezogen und der Eiter so gut als möglich entfernt. Ich bekomme ein Schmerzmittel (Rimadyl) und ein anderes Antibiotika (Teramecin). Zuhause fresse ich gleich einwenig Heu und Mama weint vor Freude. Sie fragt unseren Tierarzt, ob er bereit wäre, die Bicillin-Studie auszuprobieren und er versprach zu helfen. Über ihn hatte sie dann das Penicillin "Retacillin" bestellt, welches jeden zweiten Tag s.c. unter die Haut gespritzt werden musste.
Mama wurde zur Hilfskrankenschwester "ausgebildet". So durfte ich zwei Wochen lang weiterleben. Meine Lieblingsspeise während dieser Zeit waren die zerkleinerten Seniorkugeln von Vitakraft. Als das rechte Auge immer weiter heraustrat und tränte und auch meine Nase extrem lief, startete Mama einen weiteren Versuch in einer anderen Tierklinik. Wo ich so tapfer kämpfte, konnte sie mich doch nicht aufgeben! Sie war sogar mittlerweile bereit, mein Auge entfernen zu lassen. Es wurde geröntgt. Dann wurde während der OP der Abszess von außen geöffnet, durch einen weiteren gezogenen Backenzahn und ein kleines gebohrtes Loch im Kiefer konnte der Eiter abfließen, das Auge wurde an seinen angestammten Platz zurückgedrückt. Die Abszess-Kapsel wurde außen angenäht, damit die Wunde solange wie möglich offen bleibt. Gegen die Scherzen sollte Mama mir Novalgin geben. Aber mit Metacam kam sie besser zurecht, da es nur einmal am Tag verabreicht werden musste.
Der Tierarzt in der Klinik wurde über das Retacillin informiert, hielt nichts gutes davon und riet eher ab. Mama machte trotzdem weiter mit Spritzen. Der Abszess musste laut TA solange geschabt werden (spülen reichte nicht aus), bis kein Eiter mehr kommt.. Das waren dann die schrecklichsten 2 Wochen für Mama und mich: Jeden zweiten Tag in die Klinik zur Wundtoilette, am Tag dazwischen musste Mama 2x täglich öffnen und etwas spülen. Zum Glück gab Mama mir vor der Fahrt Rescue-Tropfen. Auch habe ich täglich Schüsslersalze (Silicea und Calcium floratum) und Hepar Sulfuris (Globuli) bekommen.
Doch es kam weiter Eiter – mal mehr, mal weniger. Mama spritzte Retacillin nun täglich! Ich mußte Bene-Bac-Pulver oder Nestle-LC1-Joghurt schlucken, da Mama Angst um meinen Darm hatte. Der Arzt in der Klinik dachte dann, dass das Doxyrobe-Gel nun doch die letzte Rettung sein könnte. Gesagt – getan. Er riet dann wegen der möglichen Wechselwirkung davon ab, Retacillin weiter zu spritzen. Mama hörte erst mal auf ihn. Doch nach fünf Tagen wurde das gehärtete Gel von einem dicken Eiter-Batzen wieder herausgedrückt. Es war zum Heulen! Es wurde weiter experimentiert. Der Arzt brachte Cleorobe-Pulver (mit Wasser verdünnt) nach nochmaligem Ausschaben ein. Davon sollte Mama übers Wochenende auch immer einwenig in die Wunde geben. Zusätzlich spritzte Mama wieder Retacillin! Bei der nächsten Kontrolle in der Klinik kam kein Eiter mehr, die Wunde dürfe nun zuwachsen.
Aber wir hatten uns zu früh gefreut. Drei Tage später war die Wunde wieder dick voll Eiter und es klaffte erneut ein großes Loch. Mama ruft nochmals bei verschiedenen Kliniken und Zahnspezialisten an und hört ziemlich niederschmetternde Urteile. Letzen Endes fuhren wir doch noch mal in die gleiche Klinik, um anhand eines CT's abzuklären, wo der Eiter denn immer wieder herkam.
Und so fanden sie des Rätsels Lösung: Es war noch ein Zahnrest und eine Wurzel zurückgeblieben (war auf dem Röntgenbild nicht erkannt worden) und hinter dem Auge hatte sich ein zweiter Abszess gebildet. Das wurde alles bei der erneuten OP entfernt und zwar von innen. Zähne hatte ich rechts oben ja keine mehr. Danach wurde die Wunde großzügig mit Doxyrobe-Gel ausgefüllt. Als Schmerzmittel erhielt ich wiederum Metacam.
Diese letzte OP war meine Rettung! Mama hatte noch vier Wochen Retacillin weitergespritzt, trotz theoretische Wechselwirkung Doxyrobe/Retacillin. Unser Hausarzt meinte: Praktisch wäre dies schon machbar, da ein Medikament lokal und das andere subkutan wirkt.. Am 23.06.05 erhielt ich meine letzte Spritze und bis zum heutigen Tag bekomme ich noch Hepar Sulfuris. Das Penicillin (Retacillin) alleine konnte mir zwar nicht helfen, aber wer weiß schon, ob es mich heute noch gäbe, wenn Mama es nicht ausprobiert hätte.
"Carlson" bei: